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Privat Von verschwundenen Schwestern & heimkehrenden Brüdern
Matteo & Audreys Haus / 17.01.2013 / früher Abend / Audrey & Sean
#1
"Aber nein! Audrey wohnt doch schon seit einer ganzen Weile nicht mehr hier."
Sean starrte die Frau vor sich einen Moment lang an, als würde sie eine fremde Sprache sprechen und er außerstande ihrem Gebrabbel irgendeinen Sinn zu verleihen. Tatsächlich verstand er sie sehr gut. Rein akustisch und inhaltlich. Nur machten ihre Worte nicht so recht Sinn. Wieso wusste sie, dass seine Schwester umgezogen war, aber er nicht? Als sie sein verdutztes Gesicht sah und er nicht gleich etwas sagte, fügte sie hinzu:"Ich glaube ich hab hier noch irgendwo ihre neue Adresse, Moment." Damit verschwand sie zurück in ihrer Wohnung und ließ Sean auf der Straße stehen. Dieser trat von einem Fuß auf den anderen, zum einen, weil er nicht recht verstand, was hier los war, zum anderen, weil er zu frieren begann. Im Grunde konnte er sich wahrscheinlich glücklich schätzen. Dass er ausgerechnet bei ihr geklingelt hatte, war reiner Zufall gewesen. Sein Besuch war, im Gegensatz zu sonst eine Überraschung, was wohl daran lag, dass er selbst von sich überrascht war. Seit Wochen nun trug er sich mit dem Gedanken zumindest für eine Weile in seiner Heimatstadt zu bleiben. Ohne dass er genau hätte sagen können, warum. Es war nicht wirklich so, dass er von der Seefahrt plötzlich genug gehabt hätte, oder ernsthaft vorhatte seßhaft zu werden. Tatsächlich fand er die Vorstellung von Reihenhäuschen, zwei Kindern, Frau und Hund eher erschreckend als verlockend, aber irgendwie.... Keine Ahnung, irgendwie wollte er für eine Weile nach Hause, also tat er das eben. Der eigentliche Plan war gewesen, von Board zu gehen, zu Audrey zu fahren und sich zumindest vorläufig bei ihr einzunisten. Sie war ohnehin allein, er wußte, dass ihr beschissener Mann ihr Schulden und Schande hinterlassen hatte und hatte geglaubt ihr ein wenig unter die Arme greifen zu können. Das Ganze hatte in soweit funktioniert, als dass er seinen Vertrag bei der Reederei für die er arbeitete nicht verlängert hatte und in San Francisco von Board gegangen war. Und jetzt stand er wie der letzte Vollidiot vor dem Haus in dem eigentlich seine Schwester hätte wohnen sollen und fand ihren Namen nicht länger auf einem der Klingelschilder. Also hatte er wahllos auf eines der anderen gedrückt und sich nach ihr erkundigt. Er war bei einer Nachbarin gelandet, die mehr wusste als er selber und das passte ihm überhaupt nicht. Natürlich war Audrey nicht verpflichtet ihn über jede Kleinigkeit in ihrem Leben zu informieren oder um Erlaubnis zu fragen. Aber scheiße, er stand mit seiner dünnen Jacke und seinem schweren Seesack hier herum und wusste nicht mal wo sie steckte. War ja nicht so, als hätte sie sich nen Hamster oder ne neue Topfpflanze gekauft und er empfand einen Ortswechsel durchaus als etwas, das man hätte erwähnen können. Nicht, dass man bei ihm immer so genau wusste wo er gerade steckte, aber das war was anderes. Immerhin täuschte er nicht vor eine feste Adresse zu haben.

Die Nachbarin riss ihn aus seinen Gedanken und er bedankte sich artig für die Adresse. Auch wenn er sich ägerte. Aber dafür konnte sie ja nichts. Mit einem Blick auf den Zettel den sie ihm brachte runzelte er ein wenig die Stirn. Ok, das war eindeutig eine Verbesserung. Etwas unschlüssig ging er die Straße hinab, entschied sich aber endlich einfach ein Taxi zu nehmen. Als Junge hatte er sich in San Francisco ziemlich gut ausgekannt. Auch an Orten an die er nicht unbedingt hingehört hatte und wahrscheinlich besser als seine Geschwister. Aber die vielen Jahre die er es nur sporadisch besucht hatte, hatten es seltsam fremd werden lassen. Da waren viele Dinge, Häuser und vereinzelte Gesichter die er wiedererkannte. Und er sah Dinge, die ihm völlig fremd waren. Altes hatte Neuem weichen müssen und es war ein seltsames Gefühl, als würden sich verschiedene Zeiten übereinander schieben. Ein wirkliches Empfinden von "zu Hause" wollte sich nicht einstellen. Das lag aber vielleicht auch daran, dass er gezwungen war durch die halbe Stadt zu kaspern um nach seiner Schwester zu fahnden. Auf die Idee, einfach bei einem seiner anderen Geschwister vorstellig zu werden kam er gar nicht. Sicher, er hätte genauso gut bei den anderen klingeln können, die Auswahl war ja groß genug. Aber das war irgendwie etwas anderes. Natürlich freute er sich darauf auch sie zu sehen, vor allem unter weit erfreulicheren Umständen als es beim letzten Mal der Fall gewesen war, aber seine erste Anlaufstelle schien ganz natürlich immer Audrey zu sein. Der Taxifahrer kutschierte ihn durch die inzwischen dunklen Straßen, Sean bezahlte den Mann als dieser im mitteilte sie seien da und blickte zu dem Haus vor dem er angehalten hatte. Dann blickte er auf die Adresse und zurück zum Haus. Er war sich sehr sicher, dass Audrey ihm vor zwei Monaten zu seinem Geburtstag eine Email geschrieben hatte. Und er war sich ebenfalls sicher, dass sie darin weder ihren Umzug, noch ihren Lottogewinn erwähnt hatte. Zwar war das mehrstöckige Haus keine Villa, aber sie wohnte in einem anständigen Stadtteil und er konnte sich vorstellen, dass die Mieten hier vergleichsweise höher waren als in ihrer alten Unterkunft. Als das Taxi in der Dunkelheit verschwand überkam ihn eine ungute Vorahnung. Ein Blick auf die Klingelschilder machte es nicht unbedingt besser. Eher im Gegenteil. Er musste wirklich eine Menge verpasst haben, wenn seine Schwester nicht mehr alleine wohnte und betete sekundenlang, sie würde sich mit einer Freundin oder Kollegin eine Wohnung teilen. Alles, nur kein neuer Kerl. Der letzte hatte gereicht, wirklich. Vielleicht, wenn er einen für sie hätte aussuchen können. Aber auf Sean hörte ja grundsätzlich niemand. Wahrscheinlich war das sein Familienfluch; er war der, der nicht selten Recht hatte, dem aber oft die Worte fehlten um überzeugend zu sein und auf den deshalb keiner hörte. Und der, der immer beim Monopoly verlor. Unglaublich.
Erster Stock. Das machte dann wohl auch seinen Plan zunichte sich einfach mit offenen Armen in die Tür zu stellen und darauf zu warten, dass sie hineinsprang. Erst jetzt kam ihm die Idee, dass sie das vielleicht gar nicht tun würde und über sein unvermitteltes Auftauchen weit weniger begeistert sein könnte, als er sich das vorgestellt hatte. Tatsächlich schien seine ganze Annahme, sie könne vielleicht ein wenig Gesellschaft und Unterstützung brauchen falsch gewesen zu sein. Sean war bei Weitem nicht reich. Aber er hatte in den vergangenen Jahren nicht schlecht verdient und eigentlich nie etwas gebraucht. Er war alleinstehend, hatte kein Haus das abbezahlt werden musste und besaß nicht mal ein Auto. Tatsächlich passte sein ganzer Besitz in den schweren Seesack den er mit sich herumschleppte. So hatte sich doch ein bisschen was angesammelt und auch wenn Audrey ihm gegenüber natürlich nie allzu deutlich geworden war, wusste er dass ihr hochverehrter Herr Ehemann ihr auch finanziell nur Ärger eingebrockt hatte. Er schob den Gedanken nachdrücklich beiseite, weil er immer schlechte Laune bekam, wenn er auch nur an das dumme Arschloch dachte und er sich darüber freuen wollte seine Schwester endlich zu sehen. Auch wenn er Fragen hatte. Viele Fragen. Da hier draußen niemand war, der sie beantworten würde, hielt er den Finger auf den Klingelknopf und ließ erst wieder los, als er sicher war, dass das ganze Haus ihn gehört hatte.
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#2
Sie hatte Milo mit einem Kuss verabschiedet und mit einem Lächeln. Sie hatte den Tag heute in der High School verbracht, auch wenn ihr das Aufstehen morgens immer noch schwerfiel. Doch seit sie den Grund dafür kannte, war es… anders Es war merkwürdig, unwirklich und manchmal zwickte sie sich sogar, wenn Matteo nicht hinsah.
Jetzt war sie mit Boba alleine zu Hause, der mit ihr auf dem Sofa saß. Nein, anders. Sie saß auf dem Sofa und las, während der schwarze Wolfshund neben ihr lag, den Kopf auf ihrem Schoss und zufrieden schien. Ihre Hand lag auf seinem Kopf und sie kraulte ihn zwischendurch, während sie die Ruhe in der Wohnung genoss. Eigentlich müsste sie Hausaufgaben kontrollieren, aber sie hatte beschlossen, dies am Wochenende zu tun, denn vorher war das… nicht drin. Sie konnte sich nicht wirklich konzentrieren und am Wochenende hatte sie vielleicht mehr Ruhe dazu.
Sanft flauschte sie mit einer Hand durch das Fell des Hundes und musst schmunzeln, da dieser ein zufriedenes Brummen von sich gab, nur um dann zu ihm runter zu sehen. „Aha? Das magst Du, nicht wahr? Wenn wir alleine sind und Du bekuschelt wirst.“ Sanft kraulte sie ihm zwischen den Ohren, welche sich aufgestellt hatten und Hazel lachte nur sehr leise. „Spinner! Na komm, lass mich aufstehen.“ Sanft schob sie den Rüden zur Seite und erhob sich, um in die Küche zu gehen. Daran, dass er hinter ihr herkam, erkannte sie durchaus, dass dieser Hund mal wieder einen Auftrag hatte.
„Echt jetzt? Wir sind zu Hause! Was soll mir hier passieren? Ich muss mal dringend mit Deinem Herrchen reden, dass er nicht immer sagen soll, dass Du auf mich aufpassen sollst. Ich bin erwachsen, verflucht noch mal. Ich kann auch auf mich selber aufpassen… zu Hause! Also… hmpf!“
Sie schnaubte leise und frustriert, ehe sie dann doch lachte und sich ihr Wasser holte, weswegen sie aufgestanden war.

Dann jedoch klingelte es an der Haustür. Kurz zögerte sie, nur um dann doch zu gehen, gerade weil da jemand ziemlich lange auf dem Klingelknopf stand, was ja echt schon eine Zumutung für die Nerven war, wobei Boba derjenige war, der sich laut darüber beschwerte, ehe sie ihn zurückschickte, auch wenn sie ahnte, dass er seine Nase trotzdem ganz vorne mit dabei haben würde. Dank ihrem tollen Verlobten. Manchmal… aber nein, sie würde ihn nicht erwürgen, sie liebte ihn schließlich. Also von daher würde sie ihm nicht weh tun. Nein! Vielleicht knuffen. Ein bisschen, auch auf den Verdacht hin, dass sie sich eher weh tat, als sie ihm.
Schon öffnete sie die Haustür und… sah den Mann vollkommen verwirrt an, der dort vor stand. Nicht, weil sie nicht wusste, wer er war. Dieses Gesicht würde sie jederzeit wiedererkennen! Sie hatte dieses Gesicht und alles was dazu gehörte, aufwachsen sehen. Sondern eher, WEIL er vor ihrer Tür stand und … Verwirrt blinzelte sie „Sean? Boba, zurück.“ Sie zog den Rüden zurück, der schon vor wollte und sich diesen Fremden genauer ansehen wollte, nur um ihren Bruder wieder anzusehen und nach Luft zu schnappen. Denn das war eindeutig ihr Bruder. Ihr kleiner, wunderbarer, großartiger, weltenbummlerischer Bruder, der ihr so wahnsinnig gefehlt hatte. Den sie vermisst hatte!
Und im nächsten Moment breitete sich das Strahlen in ihrem Gesicht aus und sie fand ihre Stimme wieder, fand ihre Freude zurück „SEAN!“ Und schon fiel sie ihrem Bruder um den Hals und lachte, sie musste einfach lachen. Ihr Bruder war wieder in San Francisco, wie konnte sie sich nicht freuen. „Du bist zurück! Du bist wieder hier.“ Doch dann schob sich eine schwarze Schnauze zwischen ihren Bruder und sie selber, nur um deutlich zu machen, dass das eindeutig nicht ging. Das war ja sogar nicht möglich, dass sie jemanden Fremdes umarmte, während er doch auf sie aufpassen sollte.
„Boba, das ist mein Bruder. Sean, das ist Boba Fett. Aber komm rein. Unbedingt! Komm rein, komm rein.“ Schon zog sie ihren Bruder mit sich nach drinnen und forderte ihn auf, mit in die Wohnung von ihr und Milo zu kommen.

Drinnen deutete sie auf einen freien Platz „Du kannst Deine Sachen dort abstellen, möchtest Du etwas trinken? Du möchtest sicher etwas trinken, Du guckst schon so durstig. Bier? Wasser? Tee?“ Und ja, sie ärgerte ihn mit Tee, wusste sie auch. Doch im nächsten Moment umarmte sie ihn wieder, ignorierte den Protest von Boba dabei. Lieber drückte sie sie ihren Bruder noch einmal mit ihrer typischen Herzlichkeit. „Oh, wie schön! So schön, dass Du da bist. Aber wo kommst Du jetzt her? Du hast nicht geschrieben, dass Du kommst? Ist was passiert? Ahm… es ist doch nichts passiert, oder?“ Sofort löste sie sich wieder und trat einen Schritt zurück, um ihn genauer in Augenschein zu nehmen, Luft zu holen und… zu lachen. „Es tut mir leid. Du darfst antworten. Ich bin schon ruhig und Du bekommst was zu trinken.“ Und so lotste sie ihn geschickt ins Wohnzimmer. Das konnte sie nämlich gut. Und während sie aufs Sofa deutete, damit er sich setzte, ging sie zum Kühlschrank und holte je eine Flasche Guiness, Murphy‘s und O’Hara‘s raus, weil sie nicht wusste, welches der irischen Biere ihm lieber war. Das er irisches Bier trank, setzte sie voraus, schließlich waren sie Iren! Vom Blut her, vom Herzen und auch von der Seele, wenn man so wollte.
Diese drei Flaschen stellt sie vor ihm auf den Tisch, samt Flaschenöffner, nur um sich bei ihm nieder zu lassen und zulassen, dass Boba seinen Besitzanspruch klar machte, in dem er sich direkt neben ihr postierte und seinen Kopf auf ihren Schoss legte, den Fremden nicht aus den Augen lassend. „Er hat den Auftrag, aufzupassen, ich bitte um Entschuldigung.“
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#3
Sean hatte keine Chance. Nicht, dass er sich hätte wehren wollen, aber selbst wenn er es versucht hätte war er ziemlich sicher, dass es absolut nutzlos gewesen wäre. Zwar hatten vor wenigen Augenblicken noch leise Zweifel an ihm genagt, und das Hundegebell aus dem Haus machten diese nicht unbedingt besser, aber als er seine Schwester dort in der Tür stehen sah, mit diesem ungläubigen Ausdruck in den Augen, sah er sich selbst für seine Irrfahrt durch die halbe Stadt entschädigt. Er grinste über das gesamte Gesicht und breitete die Arme aus, ganz so, wie er es sich erhofft hatte. Einen momentlang schwenkte er seine Schwester herum und presste sie fest an sich, ehe die Beiden ein wenig unterbrochen wurden. Ein schwarzes Ungetüm von Hund schob sich dazwischen und schien sich nicht ganz sicher zu sein, ob er das was hier gerade passierte gutheißen konnte. Das war auch neu. Audrey stellte Hund und Bruder einander vor. "Nicht dein Ernst?!" entfuhr es ihm bei der Nennung des Namens auf den das arme Vieh hört und er bezweifelte ernsthaft, dass das auf Audreys Mist gewachsen war.
Sean ließ sich in die Wohnung schieben, klappte den Mund auf um zu antworten, nur um gleich am Sprechen gehindert zu werden, weil Audrey einfach weiter plapperte, wurde ins Wohnzimmer verfrachtet ohne auch nur ein weiteres Wort hervor gebracht zu haben und wartete geduldig schmunzelnd darauf, dass sie aufhörte auf ihn einzureden. Es störte ihn nicht im geringsten. Sean war grundsätzlich niemand, der sein Herz auf der Zunge trug und er wusste, dass die vielen Worte die seine Schwester machte Ausdruck von Freude und Überraschung waren. Er schälte sich aus seiner Jacke, die achtlos neben ihm auf dem Sofa liegen blieb und wagte einen Blick in die Runde. Es war kein Mustern oder suchen nach Hinweisen, er sah sich einfach nur wie jemand um, der zum ersten Mal einen ihm fremden Ort betritt, ohne unhöflich zu sein. Natürlich war er neugierig, aber er würde niemals in Audreys Leben herumschnüffeln oder sich aufführen, als gehöre ihre Wohnung auch automatisch ihm. Dazu erinnerte er sich viel zu gut daran wie es war mit vier Geschwistern groß zu werden und was für ein kostbares Gut Privatsphäre war. Dennoch fiel ihm auf, dass sie hier nicht mit einer anderen Frau zusammen lebte, wie er eigentlich im Stillen gehofft hatte. Da standen Schuhe im Flur, die auf gar keinen Fall einer Frau gehörten, da hingen Jacken, die eindeutig ein Mann trug und irgendwie sah das, was er bisher von der Wohnung selbst gesehen hatte nicht so aus, als hätte Audrey sie eingerichtet. Sie war geschmackvoll und wirklich hübsch, keine Frage. Aber irgendwie drängte sich ihm der Verdacht auf, dass sie hier bereits jemand anders gewohnt hatte, ehe sie einzogen war.
Als endlich ein wenig Ruhe einkehrte und auch Audrey bemerkte, dass er gar nicht antworten konnte wie sie nicht mal Luft holte, öffnete er zwei der Bierflaschen und reichte ihr eine, um mit ihr anzustoßen. Er war erleichtert, ehrlich erleichtert willkommen zu sein, obwohl sich in ihrem Leben offenbar eine ganze Menge verändert hatte und mehr als glücklich sie wieder zu sehen. Sie sah gut aus, weit besser als bei ihrem letzten Treffen und schien zufrieden zu sein. Auch, wenn er Fragen hatte – das war im Grunde das wichtigste. Sean trank nicht gern allein, stieß seine Flasche gegen die, die er ihr in die Hand gedrückt hatte und leerte einen ansehnlichen Teil seiner eigenen in einem Zug, ehe er Hund und Schwester musterte. "Eigentlich..." begann er gedehnt." Hatte ich vor, vielleicht eine Weile hier zu bleiben." Er wartete neugierig auf ihre Reaktion und hoffte, dass sie sich über diese Neugikeiten ebenso freuen würde wie über seine Rückkehr. Mit hier meinte er natürlich nicht hier bei ihr, obwohl das ja ursprünglich der Plan gewesen war, aber wenn sie nun nicht mehr allein lebte... Um ehrlich zu sein, die Aussicht, sie könne sich wieder einen Kerl eingesammelt haben, den er ebenso scheiße fand wie ihren verstorbenen Ehemann, machte die Vorstellung die nächsten Wochen in einem Hotel zu leben überaus verlockend. Momentan jedenfalls kam er sich eher vor wie ein Eindringling und das gefiel ihm überhaupt gar nicht. Vor allem, weil sein Schwesterherz ihn scheinbar monatelang einfach im Dunkeln hatte tappen lassen und es nicht für nötig hielt ihm irgendetwas von dem was zu Hause passierte zu berichten. Witzig, dass er sich nun anhören durfte, er habe gar nicht geschrieben dass er kommt. Mit einem neuerlichen Schluck aus seiner Bierflasche deutete er auf den Hund.
"Irgendwie hab ich das Gefühl, dass du mir auch nicht alles geschrieben hast. Zum Beispiel, dass du umgezogen bist. Oder zum Beispiel, dass du nicht mehr allein lebst. Oder mit wem du da zusammen lebst? Oder hab ichs überlesen?"
Hatte er nicht. Vielleicht fehlten Sean manchmal die Worte, das beudete aber weder dass er nicht richtig lesen konnte, noch dass er ein Idiot war. "Dir ist schon klar, dass ichs nur deiner Nachbarin zu verdanken hab, dass ich dich überhaupt gefunden hab? Stell dir mal vor, die hätte auch nicht gewußt wo du steckst. Dann hätte ich bei Seamus auf der Matte stehen und mir Vorträge anhören müssen und das wär dann ganz allein deine Schuld gewesen!" Natürlich machte er ihr Vorwürfe und dass er tastächlich ein wenig verstimmt war, konnte man ihm an der Nasenspitze ansehen, auch wenn er versuchte, das Thema nicht allzu ernst werden zu lassen. Er wollte ihre Wiedersehensfreude ganz sicher nicht mit Streitereien und Vorhaltungen ruinieren aber verdammt noch mal, seine Schwester tauchte einfach kommentarlos unter und er musste in der halben Stadt herum suchen. Das war einfach nicht richtig, vor allem schon deshalb nicht, weil sie ganz genau wusste, dass er sich Sorgen um sie machte. Immer. Er konnte gar nicht anders. Das war schon so gewesen als sie noch Kinder waren, nach dem Vorfall über den sie nie sprachen war es noch schlimmer geworden und bis heute hatte sich daran nicht wirklich etwas geändert. Klar, ihre Geschwister waren noch hier und Sean wußte auch, dass sie immer für Audrey da wären, wenn sie wirklich etwas brauchte.... nur traute er denen eben auch nicht immer zu, wirklich kluge Entscheidungen zu treffen.
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#4
Nein, ihr Ernst war der Name von Boba nicht, aber das war eher zweitrangig gerade. Denn schließlich war dieser Namen von Matteo ausgesucht worden, nicht von ihr. Aber das konnte sie gerade nicht wirklich sagen, denn sie hatte eine Menge andere Dinge zu erzählen, zu berichten und dazu kam die überschwängliche Freude, dass ihr Bruder zurück war. Ihr Lieblingsbruder, im Endeffekt, der ihr so unglaublich gefehlt hatte.
Sie beobachtete, wie er zwei Flaschen öffnete und ihr die zweite Flasche in die Hand drückte, während alles in ihr kribbelte und sie eigentlich sofort damit raushauen wollte, dass sie keinen Alkohol trank, dass das derzeit nicht ging. Doch stieß sie lieber mit ihm an, lächelte darüber, wie er trank und sah in mit leicht schief gelegtem Kopf an, nur um im nächsten Moment ihn sprachlos anzusehen. „Wirklich? Du… willst eine Weile hier bleiben? Du bist nicht nur einfach auf Besuch?“ Und Audrey strahlte. Sie begann so richtig zu strahlen und umarmte ihn erneut, über Boba hinweg, ehe sie ihn erneut anstrahlte „Du schläfst natürlich hier! Das ist klar. Du wirst nicht bei den anderen unterkommen, weil ich Deine absolute Lieblingsschwester bin und älter bin als Du.“ Sie griente ihn frech an, doch letztendlich stand es für sie außer Frage, auch wenn sie morgen früh dann wohl Milo erklären musste, wer der fremde Mann war, der im Gästezimmer schlief. Aber das war okay und vollkommen in Ordnung. Fand sie. Es war schließlich ihr Bruder! Ihr Sean!
Doch dann ertappte er sie und sie räusperte sich sehr leicht, sah auf Bobas Kopf und strich über diesen, welcher das mit einem kurzen Brummeln beantwortete, wobei der Hund den Besuch nicht so ganz aus den Augen ließ. Der könnte ja schließlich seinem Frauchen was tun.
Kurz biss sie sich auf die Unterlippe, sah auf das Bier, von dem sie noch immer nicht getrunken hatte und stellte die Flasche weg, ehe sie wieder zu ihm sah und tief durchatmete. „Ja, Du hast recht. Ich… hab es nicht geschrieben, weil ich… weil selbst ich manchmal ein Hasenfuß bin. So.“ Sie sah ihren Bruder aufmerksam an, betrachtet sein Gesicht und fand ihr Lächeln wieder „Wie gut, dass ich so eine tolle ehemalige Nachbarin habe, die Dir sagen konnte, wo ich bin und Seamus seine Vorträge noch etwas für sich behalten kann und nicht auch noch Dich als Grund für graue Haare anführt.“
Audrey sah sich im Sitzen um, dann wieder zu Boba, ehe sie wieder zu ihrem Bruder schaute. „Tja, also… ich habe jemanden kennengelernt. Verdreh jetzt bitte nicht gleich die Augen und schau grollend, denn ich denke Du wirst ihn echt mögen. Er ist nicht mal im Ansatz wie Stanley! Im Gegenteil. Er ist liebevoll, aufmerksam und freundlich, er ist ein Gentleman und gleichzeitig… auch anders. Und er liebt mich. Und er will mich heiraten.“ Kurz zögerte sie „Und ich hoffe, Du bist mein Trauzeuge?“ Fragend sah sie ihn an, ehe sie lächelte „Matteo Amalfi heißt er. Er ist 33 Jahre, war bei der Special Force und hat mittlerweile einige Bars und Pubs hier in San Francisco. Und ja, ich weiß, ich mag so was eigentlich nicht. Das hier war sein Haus, seine Wohnung und er hat mich zu sich geholt, weil er meinte, in der alten Wohnung wäre ich nicht mehr sicher genug. Er fährt mich sogar jeden Morgen zur Schule, damit ich wirklich sicher dort ankomme. Boba ist sein Hund. Er… hat Seamus sogar um die Erlaubnis gefragt, mir den Hof zu machen. Bitte, wer fragt heutzutage noch, ob man der Schwester den Hof machen darf. Du vielleicht und Seamus. Aber sonst?“ Sie sah ihn fragend an, ehe sie leise seufzte.
„Er tut mir gut, Sean. Und glaube mir, Du wirst ihn wirklich mögen. Und außerdem wirst Du ihn mögen müssen.“
Und ja, das war fast schon eine Grundvoraussetzung, für das, was sie ihn nun fragen würde, denn sie würde niemanden anderes fragen wollen als ihn. Er war perfekt für diesen Job, auch wenn er auf See war, wenn er nicht da war. Aber er war der einzige, den sie sich dafür vorstellen konnte. Und so sah sie ihn an, sah auf das Bier, ehe sie wieder zu ihm sah „Weil, wenn Du ihn nicht magst, wie willst Du dann in Zukunft Dein Patenkind sehen? Oder es besuchen? Das geht nicht, also musst Du ihn mögen. Und darum musst Du das Bier dort auch trinken, weil… ich darf kein Alkohol.“ Und so kehrte das Strahlen auf ihr Gesicht zurück, während sie ihre Hand auf ihren Bauch legte, „Du wirst Onkel, Sean und ich hoffe, Du wirst auch der Pate zu diesem Kind. Bitte! Ich will niemanden anderes als Dich und ich will, dass Du Matteo kennenlernst, dass Du Dich mit ihm unterhältst und ich will auch Deinen Segen für diese Ehe. Ich überfordere Dich gerade wieder, oder? Brauchst Du einen Whiskey?“ Fragend sah sie ihn an.
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#5
Es tat Sean unglaublich gut zu sehen, wie sehr seine Schwester sich über seine Ankündigung freute und das obwohl er selbst noch nicht einmal genau wußte wie lange er überhaupt bleiben würde. Dass sie nicht danach fragte und einfach nur froh war ihn wenigstens eine Weile hier zu wissen machte es um so schöner und war einer der Gründe, warum er so ein besonderes Verhältnis zu ihr hatte. Sie stellte keine dämlichen Fragen, verlangte keine ausufernden Erklärungen und nahm ihn und die Art wie er lebte einfach hin ohne ihn belehren zu wollen. Er versuchte sie ein wenig zu bremsen, als sie erklärte, er würde natürlich hier schlafen, hatte aber nicht wirklich eine Chance. Und tatsächlich hatte er ja auch auf eine Einladung ihrerseits gehofft. Wenn auch unter anderen Umständen. Aber eine wirklich große Wahl blieb ihm ja gar nicht. Wenigstens für ein paar Nächte würde es kaum anders gehen und er wußte sehr wohl, dass sie beleidigt wäre, wenn er ein Hotel oder den Aufenthalt bei einem ihrer Geschwister vorziehen würde. Und um ehrlich zu sein tat er genau das nicht. "Nur für ein paar Tage, bis ich was eigenes hab." warf er ein und wurde sich zum ersten Mal der Tatsache wirklich bewußt, dass er eigentlich noch nie allein gelebt hatte. Als er von zu Hause fortgegangen war, hatte er sein altes Zimmer zurückgelassen und es gegen ein schwimmendes Bett eingetauscht. Wenn er nach Hause kam, dann immer nur für einen kurzen Besuch, der ihn auf die Couch oder ins Gästezimmer verbannte. Er besaß nicht einmal Möbel und hatte nicht den blassesten Schimmer, was er alles brauchen würde. Aber wahrscheinlich wußte Audrey das um so besser und wäre gerne bereit ihm beim Einrichten zu helfen. Zumal Sean wirklich nicht viel brauchte und keine hohen Ansprüche hatte. Es würde wohl viel eher so sein, dass Audrey alles, was er in Erwägung zog als zu schäbig schimpfte und er ihr nachgeben würde. Als sie gestand ein Hasenfuß zu sein, traf sie ein etwas misstrauischer Blick. Das passte irgendwie so gar nicht zu ihr und wäre sicher nicht in einer Beschreibung ihrer Person enthalten gewesen, wenn Sean sie hätte geben sollen.
"Ich wußte es!" rief er triumphierend aus, als sie ein wenig hastig erklärte, warum sie nun hier lebte und warum er davon keine Ahnung hatte. Er hatte sich mit seiner Einschätzung dass das hier nicht ihre Handschrift trug und hier leider keine Kollegin oder Freundin mit ihr lebte also vollkommen recht gehabt. Natürlich verdrehte er trotz oder gerade wegen ihrer Bitte die Augen. Das gehörte einfach dazu und er wußte, dass sie auch gar nichts anderes erwartete. Aber er schmunzelte. Sie klang... verliebt? Das mußte es wohl sein. Seine große Schwester klang verliebt und geriet regelrecht ins Schwärmen und er war sich sehr sicher, dass ihre preisenden Worte nicht nur darauf zurückzuführen waren, dass sie ihn beruhigen wollte. Dann jedoch stöhnte er auf. "Ach komm schon, ich hab ihn fast gemocht, bis du angefangen hast mich mit Seamus zu vergleichen." Er beschwerte sich zwar lautstark, da die Tatsache, dass sein älterer Bruder sein "ok" gegeben hatte ihren Neuen in seinen Augen eher disqualifizierte, aber ihm war völlig klar, dass Audrey ihn gut genug kannte um zu wissen, daß er seine Worte nicht wirklich ernst meinte. Ihre Freude über die vielen Neuigkeiten war ansteckend und er freute sich ehrlich mit ihr. Und um ganz ehrlich zu sein, war er auch stolz. Er war stolz darauf, dass sie ihn zu ihrem Trauzeugen machen wollte und es gab kaum etwas das er lieber getan hätte, auch wenn das vermutlich bedeutete, daß er einen Anzug tragen mußte.
Als wäre es damit noch nicht genug, setzte seine Schwester noch einen drauf. Sean starrte sie einen Moment lang ungläubig an, ehe er über das ganze Gesicht grinste und aufstand. Den Hund gekonnt ignorierend packte er seine Schwester, zog sie dicht zu sich und umarmte sie so fest er sich eben traute ohne ihr wehzutun. Das waren wunderbare Nachrichten. Seine Schwester bekam ein Kind und irgendwie war sie, ob nun bewußt oder unbewußt, clever genug gewesen sich nicht von diesem beschissenen Kerl den sie vorher hatte schwängern zu lassen. "Sean ist übrigens ein ganz toller Name... nur für den Fall das es ein Junge wird." erklärte er schmunzelnd und drückte sie noch einmal, ehe er nach ihrer Bierflasche griff. Die brauchte sie dann ja wirklich nicht mehr. Er betrachtete sie kopfschüttelnd und konnte irgendwie gar nicht glauben was er da gerade alles zu hören bekommen hatte. "Danke." sagte er schließlich und meinte es vollkommen ernst. Für andere mochte eine Patenschaft oder Trauzeuge zu werden nur etwas sein, das man aus Gefälligkeit eben tat. Ein Ehrenamt, dem niemand weiter Beachtung schenkte. Für Sean war das jedoch anders. Er würde beide Aufgaben mehr als ernst nehmen und dazu gehörte auch, dass er sich, für den unwahrscheinlichen Fall dass seiner Schwester etwas zustoßen sollte um deren Kind kümmern würde. Vorerst würde er sich wohl jedoch erst einmal mit dessen Erzeuger auseinander setzen und diesen kennenlernen müssen, aber wenn Audrey derart glücklich war konnte es ja so schlimm eigentlich nicht werden. Und wenn doch würde sie dieses Mal vielleicht wenigstens zuhören wenn er Bedenken anmedelte. Zumindest hoffte er das inständig. "Alles klar, dann brauchen wir einen Namen, jedenfalls wenn es ein Mädchen wird, einen Junggesellenabschied und ich brauch vor allem ne Bude, damit dein Verlobter es sich doch noch anders überlegt, weil er eine doppelte Dosis Rosebush nicht verkraftet." Das waren derart viele Neuigkeiten und Sean hatte das Gefühl als wäre er ein gutes Jahrzehnt weg gewesen und nicht nur ein Jahr. Deshalb fiel ihm die folgende Entscheidung auch alles andere als schwer. Irgendwie schien ihm Bier dem Anlass, oder viel eher den Anlässen nicht mehr angemessen. "Und Whiskey wäre jetzt wirklich gut."
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